Umbau und Sanierung Wohn- und Bürohaus

Umbau und Sanierung Wohn- und Bürohaus, Sanierung einer Stadtvilla aus dem Baujahr 1906, Doerfelstraße 12, 16928 Pritzwalk, Projektleitung: Dipl. Ing. Detlev Kostka, Planung HOAI LP 1-7 : Dipl. Ing. Detlev Kostka, Bauleitung HOAI LP 8 : Dipl. Ing. Detlev Kostka, Bauherr : privat, Jahr Planung / Bauantrag : 1995, Baugenehmigung : 1995, Jahr der Bauausführung : 1996 – 2000
Zustimmung der Nutzungsbedingungen von OpenStreetMap erforderlich !
Siehe auch unsere Datenschutzerklärung .


1996 Umbau und Sanierung Wohn- und Bürohaus - Rückbau der Straßenloggia mit Büroeingang
Umbau und Sanierung Wohn- und Bürohaus
Sanierung einer Stadtvilla aus dem Baujahr 1906
Doerfelstraße 12, 16928 Pritzwalk

Projektleitung: Dipl. Ing. Detlev Kostka
Planung HOAI LP 1-7 : Dipl. Ing. Detlev Kostka
Bauleitung HOAI LP 8 : Dipl. Ing. Detlev Kostka
Bauherr : privat
Jahr Planung / Bauantrag : 1995
Baugenehmigung : 1995
Jahr der Bauausführung : 1996 – 2000
Brutto-Baukosten DIN 276 (KG 300-500) : 250 TDM

UUmbau und Sanierung einer Stadtvilla aus dem Baujahr 1906 – mit zwischenzeitlicher Nutzung als Internat – zu einem Wohn- und Bürohaus nach aktuellen bautechnischen Anforderungen und der Gestaltungsidee des Architekten aus Berlin / Westend für dieses ehemalige Wohnhaus des Getreidegroßhändlers Heinemann. Trotz der Bauzeit und der Eigenheiten bei der Gestaltung steht dieses Gebäude nicht unter Denkmalschutz. Es wurde aber gerade bei der Wiederherstellung der Fassade, die durch frühere Umbauten stark vereinfacht wurde (z.B. durch das Schließen diverser Fenster), nach denkmalrechtlich vergleichbaren Vorgaben entsprechend der Originalbaupläne gearbeitet. Die Sanierung umfasste die Neuinstallation der Heizungs- und Elektroanlage, die Dachneueindeckung mit Sanierung der Dachkonstruktion, die Wiederherstellung des Straßen-Loggiabereiches mit der Umgestaltung zum Büroeingang, die Sanierung und Neugestaltung der Bäder und Küchen, die Treppenhaussanierung, die Fußbodeninstandsetzung mit dem alten Eichenparkett im EG sowie mit Teppich- und Fliesenböden darüber hinaus, die malermäße Überarbeitung aller Innenoberflächen incl. der Wiederherstellung von Stuckelementen im EG, die Aufarbeitung und Neugestaltung der Holz-Kassetten-Türen im Innen- und Außenbereich, die Neugestaltung der Fassade mit Holzfenstern und Dolomit-Fensterbänken incl. Gesims, einem neuen Klinkersockel, die Fassadensanierung mit Reibeputz und Fensterfaschen, die Grundmauersanierung mit neuer Horizontal- und Vertikaldichtung. Darüber hinaus wurde der komplette Außenbereich überarbeitet mit Altstadtpflaster für die Geh- und Verkehrswege, mit der Neugestaltung der straßenseitiger Grundstückseinfriedung unter Verwendung der alten Mauerwerkselemente, einem großzügigem Carport mit Doppelstellplatz und Hundezwinger.

DDie Fenster wurden als Holz-Stulpfenster mit Kämpferprofilierung und Sprossen in den jeweiligen Oberlichtern mit Iso-Verglasung von einer örtlichen Tischlerei hergestellt und eingebaut. Die Fenster im EG-Bereich erhielten wieder Rollläden. Eine besondere Herausforderung waren die Korbbogen- und Rundbogen-Fenster.

IIm repräsentativen EG-Bereich der Stadtvilla wurden in den 3,10 m hohen Räumen das großformatige Eichenparket in Fischgrat-Verlegung, die Decken-Stuckelemente, die Kassetten-Türen z.T. zweiflüglig sowie das großzügige Treppenhaus aufwändig aufgearbeitet und durch Rückbau späterer, nicht bauzeitlicher Einbauten wieder hergestellt.

Bauhistorische Einordnung
Wie ist die Fassade der Stadtvilla Dörfelstraße 12, Baujahr 1906, zuzuordnen?

Die Fassade ist als reformorientierte Fassade der Übergangszeit zwischen Jugendstil und Reformstil einzuordnen. Gerade für ein Baujahr um 1906 ist das sehr typisch.

Anhand der Fassade lassen sich folgende Merkmale zur Einordnung erkennen:

Die asymmetrische Fassadengliederung mit unterschiedlich großen Baukörpern, Erkern und Vorbauten entspricht dem Formempfinden des Jugendstils bzw. der Reformarchitektur. Die segment- und rundbogigen Fenster (vor allem im Erdgeschoss) sind charakteristische Gestaltungselemente bei Bauten dieser Zeit. Die geschwungene Balkonbrüstung im Obergeschoss ist ein deutliches Jugendstilmotiv, sie verzichtet auf historische Formen und wirkt organisch. Die kleinteiligen Sprossenfenster im oberen Bereich mit den waagerechten Kämpfern sind typisch für Villen um 1900–1910. Die insgesamt glatten Putzflächen ohne reiche historistische Ornamentik sprechen gegen den Historismus und eher für die gemäßigte Reformarchitektur.

Gleichzeitig fehlen einige klassische Merkmale des ausgeprägten Jugendstils wie:

– florale Stuckornamente,
– geschwungene Fassadenlinien über die gesamte Front,
– dekorative Reliefs oder keramischer Fassadenschmuck,
– stark ornamentierte Eingangspartien.

Deshalb ist die Stadtvilla architekturgeschichtlich folgendermaßen einordnen:

– später Jugendstil / Reformstil (ca. 1905–1910) mit Einflüssen des Landhausstils,
– Reformarchitektur / Landhausstil: ≈ 60–70 %,
– Jugendstil: ≈ 30–40 %,
– Historismus: nur noch geringe Einflüsse – weniger als 10 %.

Die Rückfassade bestätigt diese Einordnung zusätzlich. Die klaren Putzflächen, die großen Fenster und die schlichte Gestaltung entsprechen dem Reformstil, während die Rundbogenfenster und die geschwungene Balkonbrüstung die Jugendstilherkunft erkennen lassen. Insgesamt ist die Stadtvilla als eine sehr typische bürgerliche Jugendstilvilla der Reformarchitektur um 1906 zu bezeichnen – einen Übergang zwischen spätem Jugendstil und Reformstil mit dem klaren Verzicht auf Ornamentik. [2] [3]


Bildergalerie – Geschichte
Bilder der Doerfelstraße in Pritzwalk aus den 1920er Jahren, ca. 15 Jahre nach dem Bau der Stadtvilla. © Projektleitung


Bildergalerie – Fassade
Die Ansichten des Wohn- und Bürohauses nach Fertigstellung der Dach- und Fassadensanierung © Projektleitung


Bildergalerie – Baudetails – Außen
Bilder von ausgewählten Baudetails, wie sie nach der Sanierung am Objekt im Fassadenbereich zu sehen sind. © Projektleitung


Bildergalerie – Baudetails – Innen – Bürobereich
Bilder von ausgewählten Baudetails, wie sie nach der Sanierung am Objekt im Bürobereich zu sehen sind. © Projektleitung

Bildergalerie – Baudetails – Innen – Wohnbereich
Bilder von ausgewählten Baudetails, wie sie nach der Sanierung am Objekt im Wohnbereich zu sehen sind. © Projektleitung


Videogalerie
Dunkle Wolken über dem Wohn- und Bürohaus in der Doerfelstraße in Pritzwalk.



Plansart-Bauconsulting