Umbau und Sanierung Wohnhaus mit Arztpraxis

Umbau und Sanierung Wohnhaus mit Arztpraxis, Sanierung einer Stadtvilla aus dem Baujahr 1900, Doerfelstraße 21, 16928 Pritzwalk, Projektleitung: Dipl. Ing. Detlev Kostka, Planung HOAI LP 1-7 : Dipl. Ing. Detlev Kostka, Bauleitung HOAI LP 8 : Dipl. Ing. Detlev Kostka, Bauherr : privat, Jahr Planung / Bauantrag : 1995, Baugenehmigung : 1995, Jahr der Bauausführung : 1996 – 2000

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1996 Umbau und Sanierung Wohn- und Bürohaus - Rückbau der Straßenloggia mit Büroeingang
Umbau und Sanierung Wohnhaus mit Arztpraxis
Sanierung einer Stadtvilla aus dem Baujahr 1900
Doerfelstraße 21, 16928 Pritzwalk

Projektleitung: Dipl. Ing. Detlev Kostka
Planung HOAI LP 1-7 : Dipl. Ing. Detlev Kostka
Bauleitung HOAI LP 8 : Dipl. Ing. Detlev Kostka
Bauherr : privat
Jahr Planung / Bauantrag : 1998
Baugenehmigung : 1999
Jahr der Bauausführung : 1999 – 2000
Brutto-Baukosten DIN 276 (KG 300-500) : 1.250 TDM

UUmbau und Sanierung einer unter Denkmalschutz stehenden Stadtvilla aus dem Baujahr 1900 – mit Jugendstil-Elementen und Einflüssen des späten Historismus in der Fassadengestaltung – zu einem Wohnhaus mit Arztpraxis nach denkmalrechtlichen und aktuellen bautechnischen Anforderungen. Die charakteristische Jugendstil-Fassade sowie die Dachdeckung mit Biber-Doppeldeckung incl. der Gauben und Schornsteinaufbauten wurde anhand von alten Bauplänen und Fotos entsprechend dem Originalzustand wieder hergestellt und aufwändig, detailgerecht entsprechend der Auflagen der Unteren Denkmalschutzbehörde saniert.

DEs wurde bei der Wiederherstellung der Fassade, die durch frühere Umbauten stark vereinfacht wurde (z.B. durch das Schließen diverser Fenster), nach den denkmalrechtlich Vorgaben entsprechend der Originalbaupläne gearbeitet. Die Sanierung umfasste darüber hinaus die Neuinstallation der Heizungs- und Elektroanlage, die Dachneueindeckung mit Sanierung der Dachkonstruktion, die Wiederherstellung des Straßen-Loggiabereiches mit der Umgestaltung zum Praxiseingang, die Sanierung und Neugestaltung der Bäder und Küchen, die Treppenhaussanierung, die Fußbodeninstandsetzung mit Fußbodenheizung und Fliesenbelag im EG sowie mit Teppich- und Fliesenböden darüber hinaus, die malermäße Überarbeitung aller Innenoberflächen incl. der Wiederherstellung von Stuckelementen im EG, die Aufarbeitung und Neugestaltung der Holz-Kassetten-Türen im Innen- und Außenbereich, die Sanierung der Fassade mit neuen Holzfenstern incl. Gesims, die Grundmauersanierung mit neuer Horizontal- und Vertikaldichtung. Darüber hinaus wurde der komplette Außenbereich überarbeitet mit Altstadtpflaster für die Geh- und Verkehrswege, mit der Neugestaltung der straßenseitiger Grundstückseinfriedung unter Verwendung der alten Mauerwerkselemente.

DDie Fenster wurden als Holz-Stulpfenster mit Kämpferprofilierung, mit Iso-Verglasung von einer örtlichen Tischlerei hergestellt und eingebaut. Alle Fenster erhielten wieder Rollläden. Eine besondere Herausforderung war die durch die Untere Denkmalschutzbehörde geforderten Ansichtsbreiten entsprechend den ursprünglichen Original-Kastenfenster für Rahmen, Fensterflügel, Stulp und Kämpfer. Entsprechend Bestandsaufmaß machte das für die Herstellung der Fenster individuell herzustellende, vom Querschnitt des Systemgebers der Holzfensterproduktion abweichende Holz-Kantel-Profile notwendig.

IIm repräsentativen EG-Bereich der Stadtvilla wurden in den 3,10 m hohen Räumen die Arztpraxis mit Empfang, Wartebereich, Behandlungsräumen, Laborräumen sowie WC-Räumen nach aktuellen Ablaufkriterien für Arztpraxen der Allgemeinmedizin eingerichtet. Der komplette EG-Bereich erhielt eine Fußbodenheizung mit Fliesenbelag auf der statisch ertüchtigten Steinkappendecke sowie eine zentrale Klima- und Lüftungsanlage, deren Station im Keller-Geschoß eingebaut wurde. Die Decken-Stuckelemente, die Kassetten-Türen z.T. zweiflüglig sowie das großzügige Treppenhaus wurden aufwändig aufgearbeitet bzw. da, wo notwendig, durch entsprechende Neubauten ersetzt. Durch den Rückbau späterer, nicht bauzeitlicher Einbauten wurde die Großzügigkeit der Grundriss-Gestaltung wieder hergestellt.

IIm Obergeschoß wurde der Wohnbereich ebenfalls komplett entsprechend aktueller Anforderungen an ein zeitgemäßes, hochwertiges Wohnumfeld saniert und durch Umbau des Spitzbodenbereiches für den Wohnbereich noch erweitert.

IIm Freianlagenbereich wurde die Grundstückseinfassung entsprechend dem Ursprung als schmiedeeiserner Zaum mit Sockel und Pfeilern mit Putzornamentik wieder hergestellt.

Bauhistorische Einordnung
Wie ist die Fassade der Stadtvilla Dörfelstraße 21 in 16928 Pritzwalk, Baujahr 1900, zuzuordnen?

Die Fassade ist nach erkennbaren Merkmalen dem Jugendstil mit deutlichen Einflüssen des späten Historismus zuzuordnen. Solche Mischformen waren zwischen 1898 und 1910 sehr verbreitet.

Folgende Merkmale sprechen für den Jugendstil:

Die geschwungenen Ziergiebel mit ihren weichen, fließenden Konturen anstelle streng klassischer Dreiecksgiebel. Der reiche Stuckdekor mit floralen und organischen Ornamenten, insbesondere in den Giebelfeldern und über den Fenstern. Die asymmetrisch wirkende Fassadengliederung, die trotz einer grundsätzlichen Achsenordnung lebendiger erscheint als bei Gründerzeitbauten. Die großzügigen, hohen Fenster mit feiner Profilierung, typisch für Villen um 1900. Die insgesamt helle, plastisch gestaltete Putzfassade, bei der die Ornamentik nicht überladen wirkt.

Gleichzeitig entsprechen einige Elemente noch dem Historismus:

Das steile Walmdach mit roten Biberschwanzziegeln entspricht eher traditionellen Bauformen. Die klassizistisch anmutende Veranda mit Rundbogenarkaden erinnert an Villen des späten Historismus. Die insgesamt sehr symmetrische Komposition ist weniger frei als bei reinem Jugendstil.

Deshalb ist die Stadtvilla architekturgeschichtlich folgendermaßen einordnen:

Späthistoristische Villa mit ausgeprägten Jugendstilformen bzw. Jugendstilvilla des Reformstils um 1900–1908
– Jugendstil: ≈ 65 %.
– Späthistorismus: ≈ 25 %,
– Reformarchitektur: ≈ 10 %,

Ein reiner Jugendstil (wie etwa bei Otto Wagner oder Henry van de Velde) wirkt meist deutlich asymmetrischer und verzichtet stärker auf historische Vorbilder. Diese Villa verbindet dagegen traditionelle Bauformen mit der damals modernen Jugendstilornamentik. Für eine um 1900 errichtete bürgerliche Stadtvill ist diese Mischung ausgesprochen typiscg. Nur wenige Villen dieser Zeit sind stilistisch „rein“ dem Jugendstil zuzuordnen. Vielmehr handelt es sich häufig um Übergangsbauten zwischen Historismus und Jugendstil, wie sie dieses Gebäude sehr anschaulich zeigt. [2] [3]


Bildergalerie – Geschichte
Bilder der Doerfelstraße in Pritzwalk um das Jahr 1920, ca. 20 Jahre nach dem Bau der Stadtvilla. © Projektleitung


Bildergalerie – Fassade
Die Ansichten des Wohnhauses mit Arztpraxis nach Fertigstellung der Dach- und Fassadensanierung © Projektleitung


Bildergalerie – Baudetails
Hier Bilder von ausgewählten Baudetails, wie sie nach der Sanierung am Objekt zu sehen sind. © Projektleitung



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